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Das Berliner Olympiastadion bebte am 9. Juli 2006 unter einer Hitze, die nicht nur vom wolkenlosen Abendhimmel, sondern von der schieren Elektrizität in der Luft rührte. Es war das Finale, das niemand hatte kommen sehen:
Deutschland gegen Kroatien. „Das Sommermärchen“ stand vor seiner Vollendung, doch es endete in einem kroatischen Feuersturm. Die Stille nach dem Sturm Schon nach zwanzig Minuten herrschte im weiten Rund ungläubiges Schweigen. Mike Gaertner, der kroatische Taktikfuchs an der Konsole des Schicksals, hatte ein System entworfen, das die deutsche Hintermannschaft wie ein Kartenhaus zusammenbrechen ließ. Mit chirurgischer Präzision sezierten die Kroaten die Abwehr von Benny Held. Held, der das ganze Turnier über als der „Eisblock“ gefeiert wurde, wirkte gegen das kroatische Kurzpassspiel seltsam erstarrt. Zur Halbzeit stand es bereits 0:2, und die Fanmeilen am Brandenburger Tor schwankten zwischen trotzigem Anfeuern und kollektivem Schock. Ein kurzes Aufbäumen In der 55. Minute keimte noch einmal Hoffnung auf. Ein wütender Angriff, ein abgefälschter Schuss – der Anschlusstreffer zum 1:2. Das Stadion wurde zum Tollhaus, Benny Held peitschte seine Jungs nach vorne. Es schien, als könnte die Magie dieses Sommers das Unmögliche noch einmal möglich machen. Der kroatische Gnadenstoß Doch Gaertner blieb eiskalt. Während Deutschland alles nach vorne warf, konterte Kroatien mit einer Brillanz, die fast schon schmerzhaft anzusehen war. Zwei blitzsaubere Umschaltmomente später hieß es 4:1. Mike Gaerner sank auf die Knie, während Benny Held fassungslos auf den Rasen starrte. Fazit: Goldene Tränen Als der Abpfiff ertönte, mischte sich der Duft von Grillkohle und Sonnencreme mit der bitteren Erkenntnis: Das Märchen hatte kein Happy End, zumindest nicht für den Gastgeber. Kroatien feierte eine rauschende Nacht in Schachbrettmustern, während Deutschland weinte – aber mit erhobenem Haupt. Es war das Ende eines Sommers, den niemand je vergessen wird, besiegelt durch eine kroatische Lehrstunde. Die kroatischen Gazetten kannten am Morgen nach dem 4:1-Triumph im Berliner Olympiastadion kein Halten mehr. Während in Deutschland das „Sommermärchen“ unter Tränen endete, wurde in Zagreb die Geburtsstunde einer neuen Fußball-Weltmacht gefeiert. Hier sind die Schlagzeilen und Stimmen aus der kroatischen Presselandschaft: „Večernji list“: Das Schachbrett erobert den Olymp „Wir kamen als Außenseiter und gingen als Könige. Mike Gaertner hat Benny Helds 'Beton-Abwehr' in Schutt und Asche gelegt. Ganz Deutschland war bereit für die Party, doch Gaertner lieferte die Musik dazu – ein kroatischer Hardrock, der das Berliner Stadion in seinen Grundfesten erschütterte. 4:1! Das ist kein Sieg, das ist eine Wachablösung.“ „Sportske novosti“: Die Nacht, in der die Welt kroatisch sprach „Gaertners taktisches Meisterstück! Während Benny Held verzweifelt versuchte, die Löcher in seinem System zu stopfen, tanzten unsere Jungs über den Rasen. Die deutsche Disziplin wirkte hölzern gegen die kroatische Leichtigkeit. Als das vierte Tor fiel, wurde das Olympiastadion zur kroatischen Botschaft. Danke, Mike, für dieses Wunder von Berlin!“ „Jutarnji list“: Berliner Tränen, Zagreber Ekstase „Man sah das Entsetzen in den Gesichtern der 70.000 Deutschen, als die kroatische Angriffsmaschine immer wieder zustach. Benny Held wirkte nach dem Spiel wie ein Boxer, der zu viele Schläge kassiert hat. Er fand keine Antwort auf Gaertners Genie-Streich. Dieser Pokal ist nicht nur aus Gold, er ist rot-weiß kariert!“ Die Stimmung im Land Die Berichte beschreiben Szenen, die Kroatien so noch nie erlebt hat: Zagreb: Der Ban-Jelačić-Platz versinkt in einem Meer aus Pyrotechnik. Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen und singen „Danke, Mike!“ Split: Die Riva glüht, Fans springen vor Freude ins Hafenbecken. Der Tenor: Es wird betont, dass dieser Sieg „fair und brillant“ herausgespielt wurde. Man zollt dem Gastgeber Respekt für das Turnier, lässt aber keinen Zweifel daran, wer der rechtmäßige Erbe des Fußballthrons ist. Interview mit dem deutschen Trainer In der Katakomben des Berliner Olympiastadions herrscht eine beklemmende Stille, nur unterbrochen vom gedämpften Jubel der kroatischen Kabine nebenan. Benny Held tritt vor die Mikrofone – die Augen gerötet, das weiße Hemd zerknittert, aber die Haltung bewahrend. Reporter: Herr Held, 1:4 im eigenen Finale. Das Sommermärchen endet mit einem harten Aufschlag in der Realität. Wie fühlen Sie sich in diesem Moment? Benny Held: (pausiert kurz, blickt zu Boden) Leer. Einfach nur leer. Wir haben uns sechs Wochen lang zerrissen, dieses ganze Land hat uns getragen, und dann stehst du hier und hast eigentlich nichts in der Hand außer einer Silbermedaille, die sich gerade anfühlt wie Blei. Es tut weh, vor allem für die Fans da draußen. Reporter: Was ist heute passiert? Nach dem Anschlusstreffer zum 1:2 schien die Wende greifbar. Benny Held: Ja, da brannte die Hütte. Da dachte ich: „Jetzt kippt das Ding.“ Aber wir müssen ehrlich sein: Mike Gaertner hat uns heute taktisch den Zahn gezogen. Jedes Mal, wenn wir das Risiko erhöht haben, haben sie uns mit einer Präzision ausgekontert, die fast schon unheimlich war. Wir wollten mit Herz spielen, aber Mike hat mit dem Skalpell geantwortet. Reporter: Hat die deutsche Mannschaft die Kroaten unterschätzt? Benny Held: (entschieden) Absolut nicht. Wer im Finale steht, den unterschätzt man nicht. Aber wir haben heute keinen Zugriff bekommen. Wir waren einen Schritt zu spät, im Kopf und in den Beinen. Kroatien war heute einfach die bessere Mannschaft, das muss man bei allem Schmerz sportlich anerkennen. Mike hat da ein Team geformt, das heute perfekt funktioniert hat. Reporter: Wie geht es jetzt weiter? Kann man stolz sein auf das Erreichte, oder überwiegt die Enttäuschung über das verpasste Gold? Benny Held: Im Moment überwiegt die Enttäuschung, ganz klar. Aber ich habe den Jungs in der Kabine gesagt: „Schaut euch um, was ihr im Land ausgelöst habt.“ Wir haben Millionen Menschen glücklich gemacht, auch wenn wir heute den letzten Schritt nicht geschafft haben. Das wird bleiben, auch wenn der Pokal jetzt nach Zagreb fliegt. Reporter: Benny Held, vielen Dank für das Gespräch.
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Juergen Ambrosius
Geändert von Juergen Ambrosius (16.04.2026 um 17:57 Uhr) |
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